Werften, die keiner mehr abschreiben kann

Shownotes

Thema: Maritime Wirtschaft als nationale Sicherheitspolitik

Der Marineschiffbau gilt offiziell als Schlüsseltechnologie. Die 14. Nationale Maritime Konferenz fand am 29. und 30. April 2026 in Emden statt, nach über 25 Jahren wieder am Ursprungsort, mit rund 800 Teilnehmenden. Schwerpunkte: Wettbewerbsfähigkeit und Sicherheit. Der Regierungskoordinator für maritime Wirtschaft, Dr. Christoph Ploß, bezeichnete maritime Politik als nationale Aufgabe.

Der Umsatz der deutschen Werften beläuft sich auf rund 6,5 Milliarden Euro (VSM-Jahresbericht 2025/2026). Rund 2.800 Unternehmen bilden die maritime Wertschöpfungskette, viele davon als Zulieferer im Binnenland.

TKMS: Auftragsbestand und Kanada-Deal

TKMS (ThyssenKrupp Marine Systems) wurde am 20. Oktober 2025 an der Frankfurter Börse notiert. Erstkurs: 60 Euro, im Tagesverlauf zeitweise über 100 Euro (Tageshoch: 107 Euro). Der Auftragsbestand nach neun Monaten des Geschäftsjahres 2025/26 liegt bei 20,1 Milliarden Euro, rund das Neunfache des Jahresumsatzes. Im Juli 2026 erhielt TKMS den Zuschlag aus Kanada über bis zu zwölf U-Boote; das reine Auftragsvolumen für Bau und Service wird auf rund 12 Milliarden Euro geschätzt. Fertigung in Kiel und Wismar. Ein Auftrag aus Indien über sechs weitere U-Boote steht im Raum. Die EBIT-Marge-Prognose wurde auf über 6,5 Prozent angehoben.

Meyer Werft: Sanierung, MSC-Auftrag und Rostock

Bund und Land Niedersachsen halten nach der Rettung im Herbst 2024 zusammen rund 80 Prozent der Meyer Werft (je rund 40 Prozent). Im Dezember 2025 unterzeichnete MSC Cruises eine Absichtserklärung über vier Kreuzfahrtschiffe plus zwei Optionen; Auftragswert bis zu 10 Milliarden Euro, Auslastung bis weit in die 2030er Jahre. Für das Geschäftsjahr 2025 meldet Papenburg ein deutlich verbessertes Ergebnis, obwohl im laufenden Jahr kein Kreuzfahrtschiff ausgeliefert wird. Der Rostocker Standort (Neptun-Werft, Teil der Meyer-Gruppe) steigt in den Bau von Konverterplattformen für Offshore-Windstrom ein; der Netzbetreiber 50Hertz vergab den Milliardenauftrag für das Projekt North Sea Connector 2 an ein Konsortium aus Siemens Energy und Neptun Smulders Offshore Renewables.

China und die zweite Technologiewette

China hat das deutsche Nischensegment (Fähren, Yachten, Spezialschiffe) zum strategischen Ziel erklärt und subventioniert es gezielt. Die deutsche Antwort: Antriebe für Methanol, Ammoniak und Wasserstoff, effizientere Rümpfe, digitale Steuerung. Das Förderprogramm MARITIME.zeroGHG bündelt die Förderung emissionsfreier Schiffstechnik (BMWK/foerderinfo.bund.de) und ist die konkrete Anlaufstelle für Zulieferer, die in dieses Segment einsteigen wollen.

Hinweis für Zulieferer

Wer als Mittelständler Komponenten für den Schiff- oder Marineschiffbau liefert oder liefern könnte, findet im VSM-Jahresbericht 2025/2026 eine Einordnung zur Wertschöpfungskette und zur Nischenstrategie. Fördermöglichkeiten für emissionsarme Schiffstechnik unter foerderinfo.bund.de (Programm MARITIME.zeroGHG).

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