Solarmarkt zweigeteilt
Shownotes
Akt 1: Umverteilung im PV-Markt
Im ersten Halbjahr 2026 wurden in Deutschland 7,4 Gigawatt Solarleistung neu installiert, 388.000 Anlagen, fast ein Fünftel weniger als im Vorjahreszeitraum. Der Rückgang verteilt sich ungleich: Rund 1.000 Freiflächenanlagen lieferten gut 4 Gigawatt, rund 185.000 Dachanlagen gut 3 Gigawatt. Das Segment zwischen 100 und 750 Kilowatt, typisch für gewerbliche Dächer im Mittelstand, verlor fast die Hälfte seines Volumens. Der Branchenverband BSW-Solar nennt den Gesamtausbau „auf Kurs", warnt aber vor Vorzieheffekten und einer politischen Ausbaubremse ab 2027. Die genauen Segmentzahlen stehen in den Shownotes.
Detailzahlen (Marktstammdatenregister, Auswertung EWS, Stichtag 14.07.2026):
Freifläche: ca. 1.002 Anlagen mit ca. 4.010 MW (plus ca. 20 % gegenüber Vorjahr)
Dächer gesamt: ca. 185.000 Anlagen mit ca. 3.186 MW
Segment 100 bis 750 kW: minus 48 %
Segment 30 bis 100 kW: minus 39 %
Großanlagen über 750 kW: ca. 891 Projekte, nahezu Vorjahresniveau
Gesamtanlagenzahl H1 2026: ca. 388.000 (minus 18 % gegenüber H1 2025)
Akt 2: Mechanik hinter dem Rückgang
Seit dem 25. Februar 2025 erhalten neue Anlagen keine Einspeisevergütung mehr in Stunden, in denen der Börsenstrompreis negativ ist (Solarspitzengesetz). Ausgefallene Vergütungsstunden werden nach dem 20-jährigen Förderzeitraum nachgeholt. Ausgenommen sind Anlagen unter 2 kWp und Anlagen von 2 bis 100 kWp ohne intelligentes Messsystem.
Das Kabinett hat am 29. Juli 2026 einen Entwurf zur EEG-Novelle beschlossen. Kernpunkte laut Bundesregierung: Die Einspeiseleistung kleiner und mittlerer PV-Dachanlagen soll auf 50 Prozent begrenzt werden, um Mittagsspitzen zu vermeiden. Neue Anlagen sollen grundsätzlich über die Direktvermarktung in den Markt integriert werden. Rechtsstand: Bundestag und Bundesrat haben noch nicht entschieden. Vorgesehener Start ist der 1. Januar 2027.
Akt 3: Konsequenz für Betriebe mit eigenem Dach
Helmut Mauerer, Geschäftsführer der hm-pv GmbH in Pemfling-Grafenkirchen (Oberpfalz), beschreibt im Gespräch mit Wirtschaftsforum die Lage aus der Praxis: Wer eine PV-Anlage plant, tut das heute unter anderen Vorzeichen als noch vor drei Jahren. Der Ertrag hängt immer stärker am eigenen Lastprofil, weniger an der installierten Dachfläche. Speicher und Lademanagement entscheiden mit, wie viel eine Anlage tatsächlich einbringt.
Praxisbeispiel (paraphrasiert nach Wirtschaftsforum-Interview): In einer Tischlerei hat hm-pv eine 100-kW-Anlage mit Speicher und Wallboxen verbunden. Eigenem Strom wird beim Laden der Fahrzeuge automatisch Vorrang gegeben.
Zahl des Tages
Fast die Hälfte des gewerblichen Dachgeschäfts im Segment 100 bis 750 Kilowatt ist im ersten Halbjahr 2026 weggebrochen (minus 48 %). Die Gesamtzahl der Neuanlagen liegt bei fast einem Fünftel unter dem Vorjahreswert, obwohl die installierte Gesamtleistung stieg.
Zum Weiterlesen
- Helmut Mauerer, hm-pv GmbH, im Interview mit Wirtschaftsforum
- BSW-Solar: Photovoltaik wächst, Solarbranche warnt vor politischer Ausbaubremse (14.07.2026)
- Solarserver: Photovoltaik-Markt H1 2026, Segmentdetails (17.07.2026)
- Bundesregierung: Kabinett beschließt EEG-Novelle und Netzpaket (29.07.2026)
Für die Fachabteilung
Solarspitzengesetz (in Kraft seit 25.02.2025): Gesetz zur Änderung des Energiewirtschaftsrechts zur Vermeidung von temporären Erzeugungsüberschüssen. Vergütungsunterbrechung nach § 51 EEG bei negativen Börsenstrompreisen; Ausgleich nach § 51a EEG (Verlängerung des Förderzeitraums um aufgerundete Viertelstunden). Ausnahmen: Anlagen unter 2 kWp; Anlagen 2 bis 100 kWp ohne Smart Meter. EEG-Novelle-Entwurf (Kabinettsbeschluss 29.07.2026, Drucksache 470/26 beim Bundesrat seit 14.08.2026): 50%-Einspeisegrenze für Dachanlagen; Direktvermarktung als Regelfall ab 25 kW; befristete Übergangszahlung für kleinere Anlagen (geplant 5,2 ct/kWh, max. 36 Monate); Direktvermarktungsbonus (geplant 1,5 ct/kWh, max. 48 Monate). Rechtsstand: kein geltendes Recht, Bundestag und Bundesrat noch nicht entschieden.
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